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Erlebnisse & Berichte

Im Laufe der Jahre haben wir natürlich die ein oder andere Geschichte mit unserem Welsh Terrier erlebt und möchten an dieser Stelle zwei Berichte vorstellen, die in der offiziellen Verbandszeitschrift des KFT erschienen sind. Hier ist unsere zweite Story.

Wie kommt man an einen Welsh Terrier?

Originalartikel erschienen im Rasseheft Welsh Terrier des KFT 
"Der Terrier" 5/1997 von Ulrich Pokorra

Ascott of True Love 1997/ Abbildung im RasseheftNach gemeinsamem Beschluss sollte ein Hund in unser Heim kommen. Die Entscheidung, welcher es nun sein sollte, war trotz aller Toleranz gar nicht so einfach. Ein Cocker soll es sein, sagte der Mann; ein Berner Sennenhund die Frau. Doch alles kam ganz anders. Von Freunden bekamen wir eines Tages, obwohl es sich wie ein Märchen anhört, einen Welsh Terrier namens „Bobby“ zur Obhut übers Wochenende. Für uns war dies nicht unbedingt etwas Besonderes, aber einen Gefallen konnte man ja tun. Der kleine Welshie hielt uns ganz schön auf Trapp, nicht unangenehm, aber ungewohnt.

Dauernd erforderte er unsere Aufmerksamkeit oder wollte mit uns spielen und das am frühen Morgen oder beim Bügeln und Wäschewaschen. Wir hatten den Eindruck, er will nur helfen. Insgesamt ein munterer Gesell, der immer lustig war und unser routinemäßiges Wochenende belebte und irgendwie beseelte. Es war einfach anders. Morgens ein fröhliches Tipptipp über den Fliesen, auch abends ein fröhliches Tipptipp. Nun um es kurz zu machen, Bobby wurde wieder abgeholt samt seinem Futternapf und Leckerlies, die wir inzwischen für ihn besorgt hatten. Und komisch, weg war auch das fröhliche Tipptipp, die fröhliche Begrüßung und eigentlich alles, an das wir uns schon ebenso freudig gewöhnt hatten. Wir schauten uns an, und der Beschluss war einstimmig. Kein Cocker, kein Berner, sondern ein Welsh Terrier sollte es sein. Auf der Suche nach einem solchen Hund landeten wir ausgerechnet bei der Adresse unseres 1. Vorsitzenden des KFT R. Ritz, der uns bereitwillig an einen erst 5 Tage alten Wurf in Dorsten vermittelte. 

Dort fanden wir dann auch unseren Liebling. Aber als Greenhorns hatten wir uns wieder alles ganz anders vorgestellt. Vor uns eine wunderschöne Hundemama namens Rika und vor uns auch 5 schwarze, kleine Welpen, die sich als alles andere ausgaben als als Terrier. Aalglatt, müde, rottweilerähnlich, aber kleine Augen schauten uns unmissverständlich an, „Wir wollen noch ein bisschen schmusen“, aber bei der Mama, die im übrigen deutscher Jugendchampion geworden ist.
Trotz aller Warnung nicht einen ruhigen Hund, sondern einen mit „Biss“ auszusuchen, war unsere Entscheidung doch schnell gefallen. Der ruhige, der den ganzen Tag gespielt hatte und der nur ein müdes Auge riskierte als wir ihn einmal auf der flachen Hand hochhielten, ja der war’s „Ascott of True Love“. Nach neun Wochen durften wir ihn dann in unsere Mitte aufnehmen. Seit dieser Zeit hat sich Ascott so entwickelt, wie es sich für einen Welsh Terrier gehört. 

Champion Ascott of True LoveÜbrigens wussten Sie, dass der Welsh Terrier der erste Terrier GB’s war? Erstmals erwähnt wurde er 1450 von einem walisischen Dichter, der ihn als einen rot-schwarzen Terrier bezeichnete. Der Rassename Welsh Terrier kam jedoch erst 1885 auf wo er dann als English Black and Tan Terrier erwähnt wird. Seinerzeit wurde er gehalten, um Ratten und Mäuse auf dem Hof zu vertreiben, ebenso auch Dachse und Füchse, aber auch um den Farmer auf seinem abendlichen Spaziergang zur Kneipe zu begleiten, mit den Kindern zu spielen und am offenen Feuer sein Nickerchen zu machen. Diese utilitaristische Rettung ist dafür verantwortlich, dass der Welsh bis heute kein Modehund geworden ist, sondern ein „Sowiehund“. Ja, er sieht so aus wie ein Airedale, wie ein Fox oder Lakeland, sagt man. Doch wenn man mit ihm erstmals Freundschaft geschlossen hat, lernt man seinen wahren Charakter kennen. Er ist freundlich, anpassungsfähig, wachsam und aufgrund seiner englischen Jacke recht pflegeleicht. Dazu einfühlsam, jedoch mit einem festen Temperament und er freut sich auf ein schönes Zuhause.

Tägliches Training und Auslauf sind notwendig um aus dem lustigen, intelligenten Energiebündel einen guten Kameraden und einen mit menschlicher Wärme ausgestatteten Hund zu machen. Dabei ist er kein Hund, der verwöhnt werden will, obwohl tägliche Schmuseeinheiten willkommen sind. Er ist ein Hund voller Persönlichkeit, ja eigentlich ein richtiger „Gentleman“ und will auch als solcher behandelt werden.
Sie fragen sich warum diese Historie? Nun, weil all das Ascott verwirklicht hat. Wir haben uns mit Welsh Terrier beschäftigt, selbst im Internet und haben auf der Strasse Fragen beantwortet wie „Ach, ein kleiner Airedale?“, „Nein, ein mittelgroßer Welsh Terrier!“Ascott ist nicht furchtsam, er bewacht Haus und Hof sowie weitere Gastreviere bei unseren Eltern, die ihn inzwischen total ins Herz geschlossen haben. Apropos Herz, Ascott hat seit seinem Welpenalter einen solchen Charme entwickelt, dass er jeden, aber auch wirklich jeden, um seine Pfötchen wickelt. Doch er ist sehr sensibel. Stark auf der einen Seite, auch gegenüber großen Hunden, andererseits war er nach erfolgreichen Ausstellungen sehr erkrankt, weil er den Stress nicht ertragen konnte. Tierarztbesuche waren die Folge. Wir haben nun beschlossen, Ascott nicht mehr in den Ring zu führen, sondern als Welsh Terrier zu halten, mit dem wir viel Spaß und Freude haben. Er darf jetzt im Garten nach Herzenslust buddeln, denn von unserem Wimbledonrasen haben wir lange Abschied genommen.

In die Dorstener Hundeschule geht er übrigens auch, und das macht ihm wiederum große Freude. Üben für die Begleithundprüfung und Agilitytraining bei Züchter und Trainer Wolfgang Schrader. Und um es wiederum kurz zu machen. Ein Welsh Terrier ist kein Schoßhund, aber ein absolut zuverlässiger Freund, der sehr freiheitsliebend ist und deshalb im Stadtbezirk an der Leine geführt werden sollte. Aber sollte Ascott einmal nicht mehr sein, wir würden wieder einen Welsh Terrier wählen, weil wir glauben, er ist wirklich ein 'Welshie of True Love'.

Time to say good-bye...Kehren wir an den Anfang zurück. Ascott ist trotz eigenwilligem Charakter sehr kinderlieb und deshalb nicht nur für kinderlose Paare geeignet, Als er einmal ausgebüchst war, ja wo fanden wir ihn, bei spielenden Kindern. Kinderlieb ist Ascott heute noch immer. Am liebsten tummelt er sich mitten unter ihnen, begrüßt jedes in seiner typischen Unbekümmertheit, tollt, tobt und kann es gar nicht verstehen, wenn wir ihn dann zum Weitergehen auffordern. Vielleicht möchte er auch wie wir in unserer Kindheit mal Indianerhäuptling oder Räuberhauptmann sein. "Morgen wieder!" geben wir ihm zu verstehen. Ob er uns das glaubt? Darüber hinaus inspiriert uns Ascott regelmäßig zu einem nach ihm benannten Menü, welches wir als Hobbyköche für nette Gäste im November kreieren.

Und übrigens! Dieses Tipptipp können wir Gott sei Dank seit zwei Jahren jeden Tag hören. Schön, oder?

Leider muss ich an dieser Stelle noch etwas Trauriges erzählen. Und zwar von meinem Freund Ascott of True Love. Seit Anfang des Jahres 2000 ist Ascott an einer heimtückischen Augenkrankheit (Welsh Terrier Glaucoma/Lens Luxation) erkrankt und trotz Operationen auf beiden Augen erblindet. 

 

Er versucht sich nun ohne Sehvermögen zu orientieren, und wie ich weiß, geht es ihm wieder den Umständen entsprechend gut, und er ist gerade von einem erholsamen Schwarzwaldurlaub zurückgekehrt. Ich denke oft an ihn, weil ich als Welpe viel mit ihm gespielt habe, und er mich bei unseren kleinen Kämpfchen meist gewinnen ließ. 

 

Er war ein für mich ein guter Lehrmeister und echter Kumpel. Deshalb möchte ich hier zum Abschluss ein paar Bilder aus guten alten Zeiten zeigen. Ein wahrhaft toller Champ! Weiterhin alles Gute, Ascott, halt dich wacker und toi, toi, toi, so Gott will, mein Junge!

 

Deine Xmas

Warten auf den Frühling

Urlaub im Alemannenhof/Titisee

Ascott im Frühjahr 1997

Ascott im Scharzwald

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